Jeder findet, was er/sie sucht…?

Bild von Lisa im Kapuzenpulli

Kennt nicht jeder dieses Gefühl, dass man auf gewisse Dinge stößt, die man anscheinend sucht, obwohl man sie eigentlich nicht sucht? Also ich meine damit nicht, dass zufällig der Haustürschlüssel auftaucht, den man bis dahin (noch) gar nicht gesucht hatte. Sondern vielmehr, dass man Dinge oder Situationen…ich weiß nicht…anzieht? Ich hatte auf jeden Fall ein solches Gefühl, als ich diese Woche zwei Kommilitoninnen besser kennengelernt habe.

Ein bunter Schnitt der Gesellschaft

An der Uni und in den Vorlesungen trifft man jeden Tag auf die unterschiedlichsten Leute. Berlin hat viele Studenten und ich glaube, dass man dort jeden Typ Mensch treffen kann, den es eben so gibt. Man hat quasi einen Querschnitt der Gesellschaft. Wieso ich darauf komme? Dafür gehe ich zwei Tage zurück.

An der Uni habe ich mich immer noch nicht eingelebt. Ich finde, dass ich immer noch fast täglich auf Neues treffe. Dazu gehören auch neue Menschen. In einen meiner Kurse saß ich nun mit zwei Mädels zusammen, die ich schon mal gesehen hatte, aber zu denen ich bisher keinen tieferen Kontakt hatte. Sie heißen Janina und Evi (keine Ahnung, ob sie wirklich so heißt, aber so wird sie genannt und so hat sie sich auch vorgestellt). Ich kam an dem Tag etwas zu spät zur Vorlesung und schlich mich rein, weil der Prof es hasst, wenn man zu spät kommt. Das kann schnell mal in Sonderaufgaben enden. Ich schlich mich zu ihnen in die Reihe und war von dem Beginn an ihr Gesprächsthema. Sie lachten und kicherten, zeigten wild auf mich, sobald der Prof sich wegdrehte und hatten sichtlich Spaß. Wir kamen dabei total schnell ins Gespräch und ich merkte, wie sympathisch mir die beiden waren.

The inner deep of Janina und Evi

Für abends verabredeten wir uns dann, um gemeinsam was trinken zu gehen. Es war ein toller Abend. Wir quatschten viel, lachten und lernten uns besser kennen. So kamen wir auch darauf, wie sich Janina und Evi kennengelernt haben. Sie haben sich am ersten Unitag nebeneinandergesetzt und waren seitdem unzertrennlich. Sie merkten einfach, dass sie gleich tickten in einigen Dingen. Und sie erzählten mir auch, was das war.

Wie ich an diesem Abend feststellte, waren beiden auf ihre Weise ziemlich offen beim Thema Sex. Janina zum Beispiel arbeitet als Cam-Girl neben der Uni. Sie erzählte mir, dass sie bereits kurz nachdem sie 18 geworden ist, damit angefangen hat. Sie sei früh von zu Hause ausgezogen, da es dort wohl öfters Stress gegeben habe und habe dann damit angefangen. Und wenn man sie so anschaut, kann sie das auch gut machen. Janina hat schöne glatte, mittellange braune Haare, tiefbraune Augen, ein tolles Lachen und einen schönen Körper. Sie ist zwar nicht zierlich, aber sportlich und hat eine gute Oberweite (vielleicht operiert) soweit ich das an dem Abend sehen konnte. Sie meinte, dass sie schon immer gerne freizügig gewesen sei und dass es ihr Spaß mache, als Cam-Girl zu arbeiten. Hier in Berlin mache sie nun weiter und verdiene damit etwas Geld.

Auf das Thema seien sie und Evi wohl gekommen, weil Evi einen Studentenjob gesucht und Janina gefragt habe, ob sie Geld verdiene. Und sie hatte einfach darauf mit dem geantwortet, was sie tat…als sei es das normalste der Welt. Evi wiederum – ein Mädel mit blonden Haaren (leichter Rotstich, würde ich sagen), einem normalen Body (aber im Verhältnis schönen langen Beinen) – erzählte ihr daraufhin, dass sie gerne swingen gehe. Ihr aktueller Freund habe sie darum gebeten. Sie sagte, sie habe das zuerst für eine total bescheuerte Idee gehalten, sei dann aber ihm zuliebe in einen Club mitgegangen, um sich zuerst nur umzuschauen. Evi erzählte jedoch, dass sie gemerkt habe, dass die Leute dort „recht normal“ und nett waren. Sie und ihr Freund hätten dann zuerst zugeschaut…und schließlich an jenem Abend noch selbst den Partner getauscht. Evi meinte, die Erfahrung sei unheimlich spannend gewesen. Einen fremden Körper zu spüren und zu entdecken, mit dem der Sex ganz anders als mit ihrem Freund sei, aber trotzdem nicht fremdzugehen…das habe sie gepackt. Seitdem gehe sie regelmäßig swingen und sei in der Szene sehr aktiv (Facebook- und Instagram-Gruppen, Chats, etc…). So hätten Janina und Evi bemerkt, dass sie beide offen mit dem Thema Sexualität umgehen würden, jede auf ihre Art und Weise. Und beide hatten ein Verständnis dafür, was die andere tue…und sie würden sich so akzeptieren. Das habe ihre Sympathie zu einer Freundschaft werden lassen.

Akzeptiert! Und jetzt: Nachgedacht.

Und so hatten sie mich an diesem Abend ebenfalls eingeweiht. Ich fühlte mich…geehrt ist irgendwie das falsche Wort…akzeptiert. Ja, das passt. Ich fühlte mich in ihrer Runde akzeptiert. Zwar konnte ich nichts ähnliches berichten wie sie, aber ich glaube sie merkten, dass ich sie ebenfalls so akzeptierte, wie sie sind.

Und noch mehr: Mir wurde vor allem auch bewusst, dass ich selbst merkte, wie ich sie so akzeptierte. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber ich fand es cool, wie offen beide damit umgingen…und ich konnte und kann ihre Begeisterung verstehen. Zwar würde ich selbst zum Beispiel kein Cam-Girl sein wollen, doch Janinas und Evis innere Einstellung, freizügig mit ihrer Sexualität umzugehen…die fühlte ich ebenfalls. Und das verband uns auch an dem Abend…und darüber hinaus. Denn beide würde ich jetzt als meine Freundinnen bezeichnen.

Als ich wieder zu Hause war, legte ich mich ins Bett. Doch ich kam nicht zur Ruhe, in mir drin grübelte es noch. Seit ich in Berlin bin, habe ich nicht nur die beiden kennengelernt. Sondern auch Sarah…und ihre beide Freundinnen Rebecca und Isabel. Sie alle sind in Bezug auf Sex sehr offene Persönlichkeiten…tatsächlich offener als andere Personen bisher in meinem Leben (mit Ausnahme meiner besten Freundin, wenn ich genauer drüber nachdachte). Und ich überlegte, ob es wirklich Zufall war, dass ich nun geballt solche Menschen kennenlernte.

Ich glaube, die Antwort darauf zu wissen. Nein, es ist kein Zufall. Ich glaube, ich ziehe diese Menschen an. Ich glaube, dass ich genau diese Menschen anziehe, die ich suche…ohne, dass ich sie bewusst suche. Ich hätte mich vor zwei Tagen auch neben jemand anderes in der Vorlesung setzen können. Habe ich aber nicht. Diese Personen tauchen einfach plötzlich in meinem Leben auf und habe diese besondere Gemeinsamkeit. Nur auf das „Warum“ konnte ich bisher keine Antwort finden. Warum treffe ich all diese offenen Menschen? Beziehungsweise, warum suche (und finde) ich sie? Ich weiß nur, dass das Schicksal (oder was auch immer) diese Menschen gerade in mein Leben bringt. Und ich gespannt darauf herauszufinden, was es damit auf sich hat.

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