Darf ich vorstellen: Sonja

allein

Seit einigen Tagen geht wegen dem Coronavirus nun schon nichts mehr in Berlin. Mittlerweile gibt es ein Kontaktverbot in Deutschland. Das bedeutet für mich, dass ich zuletzt viel Zeit in der WG verbracht habe. Doch diese Sondersituation führte dazu, dass ich eine Person aus unserer WG näher kennenlernen konnte, mit der ich bisher so gut wie keinen Kontakt hatte: Sonja. Und ich bin mir sicher, dass es ohne die jetzige Situation auch nicht dazu gekommen wäre. Das wäre schade gewesen, denn nun kann ich sagen, dass Sonja ein echt liebes Mädchen ist.

Plötzlich allein

Sonja muss man sich als ein stilles und introvertiertes Mädchen vorstellen. Sie war immer freundlich zu mir und sie ist auch durchaus hübsch. Ihre roten Haare haben natürliche Locken, sie hat scharfe, grüne Augen und einen schlanken, zierlichen Körper. Doch Unterhaltungen mit ihr blieben immer sehr an der Oberfläche. Für mich schien sie einfach nur für ihre Beziehung mit ihrem Freund zu leben. Entweder war sie bei ihm oder beide hingen bei ihr auf dem Zimmer rum. Aus der Gemeinschaft in der WG zog sie sich dadurch viel raus…ähnlich wie es auch bei Kyle der Fall war, was bei ihm aber eher daran liegt, dass er so selten da ist (wenn nicht gerade Corona ist). Darum hatte ich bisher viel mehr Kontakt zu Mark, Jana und Sarah.

Nun aber mussten wir in der WG bleiben. Schlecht für mich, denn so konnte ich nicht Andre daten. Schlecht aber auch für Sonja, denn sie konnte ihren Freund nicht mehr sehen. Oder besser gesagt: Sie waren so vernünftig, sich erst mal nicht mehr zu sehen…zumindest nicht so wie sonst. Auf jeden Fall war er schon seit Tagen nicht mehr hier in der WG und Sonja nicht bei ihm. Und so kam Sonja nun plötzlich auf mich zu und fragte, ob wir zusammen einen Film gucken wollten. Offensichtlich fehlte ihr jemand zum sprechen. Ich sagte zu.

Bleibst du noch?

Wir gingen zu ihr aufs Zimmer und machten es uns bei ihr auf dem Bett gemütlich. Für mich fühlte es sich etwas komisch an, denn wie gesagt…Sonja und ich hatten bisher nicht viel miteinander zu tun. Und nun lag ich neben ihr in ihrem Zimmer im Bett und wir schauten einen Film. Sonja hingegen schien das weniger komisch zu finden. Seit dem Moment, wo sie mich gefragt hatte, wirkte sie auf mich, als wäre wir schon immer Freundinnen gewesen. Es kam keine Erklärung von ihr, warum sie mich gefragt hatte oder so. Sie gab sich eher so, als wäre das selbstverständlich. Mir war das nicht unangenehm…aber etwas komisch fand ich es schon. Während des Films sprach sie dann nicht viel mit mir. Sie kommentierte die eine oder andere Szene, ich gab auch meine Meinung dazu, wir stimmten einander zu oder waren anderer Ansicht. Sonja lachte hier und da und wirkte entspannt. Das machte mich auch entspannter.

Soweit, so gut. Die nächste Überraschung kam dann aber für mich, als der Film vorbei war. Ich wollte mich eigentlich auf den Weg in mein Zimmer machen als Sonja anfing, etwas herumzudrucksen. “Du, Lisa…ähm…ich hab da noch eine Frage. Mmmm…ich hoffe, das klingt jetzt nicht doof, aber hättest du Lust, heute Nacht bei mir zu schlafen?” Ich habe vielleicht etwas komisch geguckt als sie mich das fragte, denn sie senkte schnell ihren Blick zu Boden so als wäre ihr die Frage peinlich. Ich musste kurz überlegen, sagte dann aber ja und ging in mein Zimmer, um mein Bettzeug zu holen.

Von Liebe und Angst

So lag ich dann also neben Sonja im Bett, doch an Schlafen war noch nicht zu denken. Denn wir fingen an uns zu unterhalten…und plötzlich war Sonja redselig. Ich fragte sie, ob sie ihren Freund sehr vermissen würde. Sie sagte ja und ich meinte, dass mich das auch nicht überraschen würde, da sie viel Zeit miteinander verbringen würden. Sie müssten sich ja sehr lieben und daher vermissen. Sonja nickte und sagte ja…doch so, wie sie es sagte, war mir sofort klar, dass da noch mehr war. Ich hakte nach. Und so fing sie an zu erzählen.

Sonja sagte, dass sie natürlich ihren Freund lieben würde, aber auch, dass sie einfach seine Anwesenheit vermissen würde. Nicht nur aus Liebe, so verstand ich es zumindest, sondern weil sie nicht alleine sein wollte. Sie schaute mich mit ihren grünen Augen an und ich sah etwas Unsicherheit: “Ich kann nicht so gut alleine sein, weißt du? Er kann das besser als ich. Aber ich fühle mich schnell allein.” Okay, ich nickte. Denn ich glaube, jeder kennt dieses Gefühl. Jeder fühlte sich mal allein. “Aber zwischen euch ist sonst alles gut, oder?”, fragte ich nach. Und wieder sah ich Unsicherheit in ihren Augen. “Ach ja, schon. Naja, vielleicht nicht mehr ganz so wie früher vielleicht…” So, jetzt war ich misstrauisch. Irgendwas war da doch. Ich bohrte weiter und schließlich sagte Sonja mir, dass es bei ihnen nicht mehr ganz so doll war. Zumindest von ihrer Seite aus. Es hatte sich bei ihr anscheinend einfach abgekühlt. “Aber ihr seid doch immer noch ständig zusammen.”, sagte ich. “Ich hatte immer das Gefühl, für dich gibt es nur ihn.” Ein kleines Lächeln huschte über Sonjas Gesicht…es war ein unsicheres Lächeln. Sie stimmte zwar zu und sagte, dass das auch mal so war, doch…naja…sie fühle sich halt wirklich schnell einsam. Und der Gedanke, wieder alleine zu sein, finde sie furchtbar.

Da kam ich ins Grübeln. Ich traute mich nicht zu fragen, ob sie nur noch mit ihm zusammen war, weil sie nicht alleine sein wollte. Aber ich hatte das Gefühl. Ich fragte nur, ob es wirklich so schlimm für sie sei, das alleine sein, und sie nickte. Sie könne das einfach nicht gut. Für mich war das auf einmal recht eindeutig. Von ihrer Seite aus war da nicht mehr die große Liebe. Doch den Schritt, sich zu trennen, traute sie sich auch nicht. Der Gedanke, dann alleine zu sein, schien noch schlimmer für sie zu sein. Ich wollte nicht mehr weiter in ihrer Wunde stochern…ich war ja schon überrascht, dass sie sich mir in unserem ersten richtigen Gespräch überhaupt so anvertraut hatte. Wir gingen schließlich schlafen…und da zeigte Sonja mir noch einmal, wie allein sie sich anscheinend fühlen konnte: “Darf ich deine Hand nehmen?”, fragte sie mich. Händchen haltend schliefen wir dann nebeneinander ein…und von diesem Abend an war Sonja für mich nicht mehr nur das stille Mädchen, das in ihrer Boyfriend-Blase lebte. Sie war jetzt meine Freundin.

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PPS: Verhütung ist wichtig, um sich vor ansteckenden Krankheiten und einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Nur aus erzähltechnischen Gründen erwähne ich dieses Thema in meinen Storys nicht. Bitte verhütet!

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