Von der Sache, die mich nicht stören sollte

nicht störenLisa stellt fest, dass Mark wieder ein Mädchen bei sich hatte. Eigentlich sollte sie das nicht stören...aber irgendwie tut es das doch.

Wie soll ich das beschreiben? Es gibt so Dinge, von denen man sagt, dass sie einen nicht stören…dass sie einem egal sind. Sind sie aber nicht. Die Wahrheit ist nur: Sie sollten einem egal sein. Und die Erkenntnis, dass es nicht so ist…ist irgendwie…befremdlich. Ist das das richtige Wort? Ich bin mir nicht sicher. So ähnlich fühlte es sich für mich aber zuletzt an, als ich genau eine solche Situation erlebt hatte. Mit Mark in der Hauptrolle.

Ein fremdes Kichern

Es war bereits letzten Sonntagmorgen passiert. Ich wachte auf – in meinem Bett. Davor die beiden Nächte war ich bei Andre, heute hatte ich allein in meinem Zimmer geschlafen. Ich ging in die WG-Küche und machte mir mein Frühstück. Ich war noch etwas im Halbschlaf, als ich mir meinen Toast machte. Dann hörte ich ein Kichern. Ich schaute Jana fragend an, die mit mir in der Küche saß: “War das Sonja?” “Nee, die ist bei ihrem Freund.”, antwortete Jana, “Ich glaub das war die Tussi bei Mark.”

Ich schaute Jana fragend an. “Was für eine Tussi?” “Ach, keine Ahnung”, zuckte Jana mit den Schultern, “Wieder halt so eine, die er mitgebracht hat. Haste gestern nicht mitgekommen, oder? War schon etwas später als die beiden gekommen sind.” Aha. Das hatte ich wirklich nicht mitbekommen. Ich wollte Jana gerade noch mehr Fragen stellen, als die Tür von Marks Zimmer aufsprang. Sofort verstummte ich und wir beide schauten ihn an.

Seid ihr Schwestern?

Er kam in die Küche, grüßte uns und stellte zufrieden fest, dass Jana bereits Kaffee gekocht hatte. Er schnappte sich zwei Tassen, goss sich Kaffee ein und drehte sich um: “Willst du auch einen?” Die Frage galt “ihr”. “Sie” kam daraufhin in die Küche, nickte und sagte zu uns: “Hallo.” Jana und ich grüßten freundlich zurück. Sie lehnte sich gegen die Arbeitsfläche der Küche und schaute Mark beim Einschenken zu. Er drückte ihr die Tasse in die Hand, sie lächelte und beide verschwanden wieder auf sein Zimmer. Kaum war seine Zimmertür zugefallen, platzte es aus Jana heraus: “Hast du ne Schwester hier in Berlin oder was?” Dann lachte sie einmal laut los und hielt sich schnell die Hand vor dem Mund. Ich schmunzelte etwas mit…aber ehrlich gesagt: Jana hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.

Als dieses Mädchen in der Küche stand…was soll ich sagen? Schlanke Beine, barfuß. Keine Hose an, wahrscheinlich nur einen Slip. War aber nicht genau zu sehen, denn sie trug ein schwarzer Shirt…wahrscheinlich von ihm. Es war ihr viel zu groß, es hing ihr bis über die Hüfte. Trotzdem sah man, dass sie ein schlankes Mädel war. Sie hatte zudem braune, längere Haare und ihr Gesicht…ich sag mal so: Sie war nicht mein Spiegelbild, aber ich würde behaupten, sie war mir insgesamt schon ähnlich. Darum kam von Jana auch der Spruch mit der Schwester.

Jana schaute vorsichtig zu mir rüber. “Meinst du, er will dir damit was sagen?” “Mir?” Ich schaute Jana mit großen Augen an. “So ein Quatsch!”, lautete meine Feststellung. “Okay, okay…”, säuselte Jana belustigt vor sich hin. “Stört dich auch nicht, oder?” “Überhaupt nicht.”, kam von mir wie aus der Pistole geschossen und ich biss in meinen Toast. “Ja, das hab ich mir gedacht…”, meinte Jana und schmunzelte…was mich anfing, zu nerven. “Ist aber doch alles okay, zwischen dir und Mark, oder?”, hakte sie nach. Ich verdrehte leicht die Augen: “Ja, es ist alles gut…was soll schon sein? Wir sind Freunde, er kann doch machen, was er will. Ist auch gut damit jetzt, okay?”, stellte ich klar. Jana nickte das Thema schnell mit einem “Ja klar, okay.” ab und das war es dann. Ich aß meinen Toast auf, denn die Kaffee hatte ich ja bereits auf. Danach verschwand ich wieder in meinem Zimmer.

Es sollte mich nicht stören…

Ich legte mich in mein Bett und starrte an die Decke. Die Tussi hätte wirklich meine Schwester sein können, Jana hatte recht. Und verdammt, ja, es sollte mich nicht stören, aber es störte mich, dass Mark sie da hatte. Aber warum zur Hölle? Als ich Jana sagte, Mark könnte machen, was er wolle, meinte ich das auch so. Ich hatte mit Andre einen Freund…ich war glücklich mit ihm und verliebt. Mark hatte seine Chance. Er wollte nicht, er wollte lieber weiter seine “Freiheiten” habe. Alles gut. Nur fühlte es sich für mich gerade nicht so an als sei alles gut. So ein Scheiß…

Ich wusste in dem Moment auch nicht, was mich mehr störte: Dass Andre ein Mädchen da hatte, das mir auch noch so ähnlich war oder dass es mich überhaupt aufregen konnte, dass er wen da hatte. Ich glaubte fast, letzteres war noch schlimmer. Ich ärgerte mich über mich selbst…dass ich überhaupt etwas dabei empfand, obwohl es mir völlig egal sein sollte.

Ich drehte mich im Bett auf die Seite. Und ich schwor mir, es zu vergessen. Ich schwor mir auch, dass es mir zukünftig total egal sein würde, wenn Mark wen mitbrachte. Sowas sollte mich nicht stören, überhaupt nicht berühren. Basta! Außerdem zeigte mir das ja auch nur, dass er immer noch kein Stück reifer war als vor ein paar Monaten. Ich dagegen hatte einen Freund, den ich toll fand und bei dem ich fühlte, dass mich eine aufregende Zeit mit ihm erwarten würde. Wahrscheinlich sogar eine viel aufregendere Zeit als ich sie mit Mark jemals hätte haben können. Darum beschloss ich auch, dass es die Zeit nicht wert war, weiter darüber nachzudenken. Ich hatte Andre. Und Mark sollte tun, was er wollte.
Punkt.
Aus.
Micky Maus.
Kann mich nicht stören.

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