Das „Zerdenken“ von Sex muss aufhören

sex zerdenken

Sex ist Lust. Sex ist Spaß. Sex ist geil. Sex ist Gefühl und Emotion. Oder sollte es sein. Denn wenn man ehrlich ist, wird Sex doch viel zu sehr „zerdacht“. Jetzt mal ehrlich: Was soll der Scheiß?

Was ist für dich Sex? Wenn ich an Sex denke, dann sehe ich zwei (oder mehr) Menschen vor mir, die der schönsten Sache der Welt nachgehen. Sie geben sich ihrer Lust hin. Sie vergessen die Welt um sich herum, sie fühlen einander und versuchen, dem jeweils anderen noch heißer zu machen und noch mehr Lust zu schenken. Sie leben und genießen genau diesen Moment…und tun etwas, was tief in uns Menschen drin steckt. Was vielleicht nicht ganz so wichtig wie schlafen, essen oder trinken ist, aber was dann doch gleich danach kommt. Der sexuelle Trieb ist einer der stärksten, den wir haben. Und er ist wichtig, denn ohne Sex gibt es keine Menschheit. Was haben wir doch für ein Glück, dass diese unheimlich wichtige Sache in unseren Leben auch noch so viel Spaß macht.

Doch immer wieder wird Sex „zerdacht“ und ist zu „verkopft“ – ist das wirklich nötig?

Darf ich das?

Seit ich den Liebestollblog ins Leben gerufen und angefangen habe, über Sex zu bloggen, merke ich, wie viel darüber eigentlich nachgedacht wird. Zum Beispiel, ob man gewisse Dinge tun darf. Darf ich dieses oder jenes anziehen oder wie wirkt das? Oder darf ich diese oder jene Neigung haben? Sind das wirklich Dinge, über die uns heute noch Gedanken machen müssen? Ob ich mich freizügig kleiden möchte oder nicht? Irgendwo ist es doch traurig, dass wir uns über sowas Gedanken machen.

Aber es ist so, denn Sex wird immer noch in der Öffentlichkeit als eine Sache angesehen, mit der man einen Menschen aufs Schlimmste verletzen kann. Gerüchte über das Sexleben können Karrieren zerstören. Teenager, von denen Nacktbilder oder Videos in „peinlichen“ (sexuellen) Situationen herumgereicht werden, können Suizidgedanken auslösen. Praktiken oder Neigungen werden zum Instrument des Mobbings und der Diskriminierung.

Ich frage mich wirklich, warum wir uns das heutzutage noch gegenseitig antun? Und warum ist das überhaupt alles so schlimm? Kann man die Sexualität nicht als etwas so Normales sehen wie ein Hobby? Der eine spielt gerne Fußball, die andere tanzt gerne und noch jemand anderes schraubt gerne an Autos herum. Aber wehe, jemand geht swingen, dreht nebenbei Pornos (für die Aufbesserung der eigenen Haushaltskasse und zum Vergnügen für andere) oder ist homosexuell. Wenn Sex und sexuelle Praktiken nicht gegen Gesetze verstoßen und auf Freiwilligkeit beruhen, ist es dann nicht egal, ob der eine gerne an alten Socken riecht und eine andere es gerne anal bekommt? Wo ist das Problem?

Sehe ich so auch gut aus?

Wenn es aber „nur“ die Gesellschaft wäre und man wenigstens in der eigenen Wohnung vor dem „Zerdenken“ sicher wäre. Doch da geht es erst richtig los. Beim Sex mit dem oder der Liebsten zum Beispiel. Anstatt einfach zu fühlen und sich hinzugeben, kommt der Kopf jetzt erstmal richtig auf Hochtouren: Sehe ich so gut aus? Mache ich das auch richtig so? Ob es ihm/ihr wohl gefällt? Wie soll man sich denn bei solchen Gedanken hingeben und einen Orgasmus bekommen können?

Klar verstehe ich es, dass man gerade bei einem/r neuen Partner:in gut aussehen und gut rüberkommen will. Doch etwas mehr Entspanntheit würde uns allen verdammt gut tun. Und die Lösung dafür ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich sicher gehen will, ob ihm/ihr es gefällt, kann ich ihn/sie kurz fragen: Und, ist das gut so oder magst du es lieber anders? So eine Frage kann sogar als Dirty Talk durchgehen.

Und zur Frage, ob du gut aussiehst: Nein, das tust du nicht. Niemand sieht beim Sex wirklich gut aus. 😀 Wir schwitzen, verkrampfen unsere Gesichter, die Haare werden zerzaust und wir geben komische Geräusche von uns. Das ist normal. Entscheidend ist es doch, wie es sich anfühlt und nicht, wie gut wir dabei aussehen. Wenn du dich damit besser fühlst, kannst du gerne Trockenübungen vorm Spiegel machen, wie dein Körper deinem Empfinden nach in welcher Position am heißesten aussieht. Training schafft ja Selbstbewusstsein für den Wettkampf. 😀 Aber eins steht doch wohl fest: Wenn er/sie dein Aussehen vor dem Sex schon geil findet, dann wird sich das dabei wohl kaum grundlegend ändern. Oder? Im Notfall gilt aber auch hier: Neckisch nachfragen! Soll ich meinen Arsch noch weiter rausdrücken oder findest du es so besser? Du wirst schon eine ehrliche Antwort bekommen.

Okay, wenn ich gerade ganz frisch dabei bin (das erste Mal oder nahe dabei), dann gibt es bei diesen Dingen auch mit dem eigenen Crush Unsicherheiten. Da fehlt halt eine gewisse Erfahrung. Was aber mit einer frühzeitigen Aufklärung gebessert werden kann, glaube ich. Und das geht schon damit los, dass man insgesamt als Gesellschaft mit dem Thema entspannter umgeht.

Der utopische(?) Traum

Hin und wieder frage ich mich, wie wohl eine Welt aussehen würde, in der Sex etwas so Normales, so Alltägliches, ist wie jemanden die Hand zu geben (in Nicht-Pandemie-Zeiten 😀 )? Wenn man mit einem Mitmenschen über Sex genauso unbeschwert reden könnte, wie über das Wetter.

Sex ist Spaß, doch können wir es alle wirklich immer als Spaß sehen? Natürlich ist Sex auch Verantwortung. In jedem Spaß, den ich mache, steckt Verantwortung. In Sex sicherlich noch etwas mehr, denn es kann der Anfang eines Lebens sein und Leben verändern. Sex kann auch Gewalt sein. Doch im Grunde braucht es nur drei einfache Regeln:

  • Halte dich an alle Gesetze.
  • Sex muss immer auf die Freiwilligkeit aller Beteiligten beruhen.
  • Und schütze dich.

Es ist doch wirklich schwer verständlich, warum etwas so unheimlich Schönes in unserem Leben für uns ein so empfindliches Thema ist. Es ist unverständlich, dass wir uns teilweise selbst nicht mal trauen, mit unseren Partner offen über Sex kommunizieren können. Dass wir Angst haben, unseren Bedürfnissen nachzugehen, weil jemand schlecht über uns denken könnte oder weil es uns in eine „peinliche“ Situation bringen könnte. Es ist doch wirklich schwer zu kapieren, warum Sex-Worker:innen immer noch am Rande der Gesellschaft stehen, obwohl sie für so viel Vergnügen in unserem Leben sorgen. Sollte sie nicht eigentlich gefeierte Stars unserer Gesellschaft sein, so wie Schauspieler, Musiker oder Spitzensportler auch, die uns unterhalten? Und ist es nicht schockierend, wie wir uns selbst manchmal dabei erwischen, wie und was wir denken, wenn wir etwas über das Sexleben von anderen erfahren?

Wann wird Sex nicht mehr ein Thema sein, dass zu groß für die Menschheit ist, um damit endlich mal entspannt umzugehen?

xoxoxo

Deine Lisa

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