Mein Leben als Sexworkerin: Wie es ist, Sexworkerin zu sein und von Männern Geld zu nehmen

Sexworkerin von Männern Geld nehmen

Was löst es in mir aus, eine Sexworkerin zu sein? Wie fühle ich mich dabei, Bilder oder Videos von mir zu machen und zu wissen, dass fremde Männer sich das anschauen, um sich zu erregen? Und fühle ich mich schmutzig, weil ich Geld für sexuelle Dienstleistungen bekomme? Dieses und mehr verrate ich dir in meinem Artikel.

Vieles ist Sexwork und ich bin eine Sexworkerin

Was gilt eigentlich alles als Sexwork? Bin ich überhaupt eine Sexworkerin? Schließlich habe ich weder Sex vor der Kamera, noch bin ich eine offizielle Prostituierte.

Tatsächlich ist Sexwork sehr vielseitig und meint zunächst einmal alles, was unter einer sexuellen Dienstleistung zu verstehen ist. Das heißt also, dass eine Prostituierte genauso eine Sexworkerin ist, wie das Mädel, das von Zuhause aus OnlyFans macht und sich oben ohne zeigt oder das Mädel, das mit dieser ganzen Szene und den Plattformen überhaupt nichts zu tun hat, aber jemanden hin und wieder getragene Socken verkauft oder sich auf Videos für einen Haarfetischisten die Haare kämmt. Sie alle sind Sexworkerinnen, auch wenn sie selbst das vielleicht gar nicht so wahrnehmen.

Doch am Ende kommt es darauf an, dass man etwas tut, was dazu dient, dass jemand dadurch sexuelle Lust erfährt. Und das ist in all den genannten Beispielen der Fall. Und ich selbst tue sowas auch. Ich produziere Content in Form von Bildern und Videos, auf denen ich mich von sexy non-nude bis nude zeige. Ich schreibe und veröffentliche Sexgeschichten. Das macht mich zu einer Autorin, aber genauso zu einer Sexworkerin, denn diese Storys sollen die Lust anregen. Und ich habe auch schon für Geld Sexpartys besucht.

Wie es sich anfühlt, Sexworkerin zu sein

Mit dem Begriff „Sexwork“ oder „Sexworkerin“ habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt kein Problem. Für mich ist das ein neutraler Begriff, der für eine sehr weitere Palette an sexuellen Dienstleistungen steht. Schon eher ein Problem für mich sind Begriffe wie „Prostituierte“, „Nutte“ oder „Hure“. Vor allem deswegen, weil sie negativ behaftet sind und im Patriarchat gerne als Beleidigungen und Herabwürdigungen verwendet werden. Wenn ich also von mir sage, ich bin eine Sexworkerin, dann schäme ich mich nicht dafür. Ich bin jetzt aber auch nicht stolz darauf. Hin und wieder ist es schon mal so, dass der Begriff bei mir ein Gefühl der Verbundenheit zu anderen Sexworkerinnen hervorruft. So nach der Denke: „Ach guck, sie ist es auch, cool.“ Ansonsten aber sehe ich den Begriff wirklich neutral.

Ein Gefühl im Sinne von positiv oder negativ entsteht bei mir oft, wenn es von Dritten gewertet wird (was es meiner Meinung nach nicht getan werden sollte – es ist eine Arbeit wie viele andere auch). Wenn Leute aufgeschlossen sind und das gut finden, fühlt man sich natürlich besser, wenn Leute es scheiße finden und Sexwork herabwürdigen, was leider sehr viel häufiger vorkommt, dann ärgere ich mich.

Doch wie fühlt es sich eigentlich bei der Sexwork selbst an? Was ruft das bei mir hervor?

Ich fange mal beim Schreiben an. Wenn ich Sexstorys schreibe, dann achte ich darauf, dass die Geschichte vor allem mir gefällt. Ich denke nicht daran, ob es einem Leser oder einem Mann gefällt. Ob er es so geil finden kann, dass er es sich darauf macht. Null denke ich daran. Ich schreibe eine Geschichte so, dass ich sie gut lesbar finde und mir Spaß macht.

Oder Bilder und Videos. Auch da steht bei mir tatsächlich nicht im Fokus, was ein Kunde geil finden könnte. Ich meine, klar, weiß ich, was für Posen gut ankommen und was ich vor der Kamera machen kann, damit mehr Männern es gefällt. Am Ende gebe ich aber nichts raus, was mir nicht selbst gefällt. Ich finde z. B. sogenannte „gynäkologische Shots“ nicht schön, also mich breitbeinig vor die Kamera zu setzen und meine Pussy so zu fotografieren, dass sie auch gut in einem Biologiebuch abgebildet sein konnte, wo man dann anatomisch alles bestimmen kann. Klar weiß ich, dass Männer sowas sehen möchten, aber ich möchte mich so nicht sehen. Darum achte ich auf eine gewisse Ästhetik bei meinen Bildern. Und ja, so macht mir das Content erstellen am Ende eben durchaus Spaß. Mir gefällt es, mich sexy vor der Kamera zu bewegen und mich selbst sexy und attraktiv zu sehen. Das steigert mein selbstbewusst und pusht mein Ego…vor allem, wenn das anderen dann ebenfalls gefällt. Ich glaube, tief im Inneren würde das jedem gefallen. Am Ende kommt es für mich darauf an, dass MIR das Ergebnis zusagt. Das finde ich wichtig.

Ganz anders verhält es sich, wenn ich als Geld-Domina auftrete. Geld-Domina zu sein, ist praktisch. Für mich hat das tatsächlich nichts Sexuelles, für die Männer, die meine Sklaven sind, hingegen schon. Ich finde es interessant, als Frau einen Mann komplett zu dominieren. Aber es reizt mich nicht sexuell. Das ist wirklich eine reine Dienstleistung, die finanziell interessant ist.

Und wenn man mit einem fremden Mann sexuell intim wird? Das ist für mich sehr unterschiedlich. Das geht von „es ist ein reiner Job“ bis hin zu „ich habe tatsächlich privaten Spaß und ich merke gar nicht, dass ich arbeite“. Wenn meine Kinks getriggert werden, dann macht es mir echt Spaß. Letztendlich tue ich aber auch da nichts, womit ich mich unwohl fühlen könnte. Es ist nicht so, dass Mädchen, die reale Intimität zulassen, alle sexgeil oder Nymphen sind. Ich glaube, es ist wie bei vielen anderen Jobs auch: Es macht mal mehr und mal weniger Spaß. Da es hier aber körperlich wird, ist es mir umso wichtiger, dass gewisse Grundvoraussetzungen vorhanden sind, wie eine gute Hygiene, Vertrauen, Sympathie, Gesundheit und vor allem Consent.

Wie es ist, von Männern Geld für Sexwork zu nehmen

Damit habe ich absolut kein Problem. Und sorry, ich fühle mich dabei ganz sicher auch nicht schlecht, nuttig, schmutzig und sonst irgendeinen Mist. Solange Männer kein Problem damit haben, eine Frau dafür zu bezahlen, damit sie ihn erregt, habe ich auch kein Problem damit, dafür Geld zu nehmen. Es macht mich allerdings genauso wenig an. Für mich ist das ein Business. Sexuelle Dienstleistungen anzubieten, ist nicht für jede Frau etwas. Auch wenn es sicherlich nicht wenige Sexworkerinnen gibt, so ist für die Mehrzahl an Frauen nicht vorstellbar, in diesem Bereich tatsächlich aktiv zu sein. Und dann kostet das eben etwas. Ich mache sowas jedenfalls nicht zum Mindestlohn. Und vor allem weiß ich, dass es mich exakt nur einmal gibt. Wer bei mir den Preis drücken will, indem er sagt, dass er auch zu einer anderen gehen kann…nun, dann bitte. Wenn du aber nicht irgendeine haben möchtest, sondern nun mal mich, dann gibt es dafür keine Alternative. Auch das kostet.

Aber bei dem Thema müssen wir auch über die gesellschaftliche Sicht darauf sprechen, wenn man für sexuelle Dienstleistungen Geld nimmt. Es ist zwar eines der ältesten Business-Modelle der Welt, doch immer noch verpönt. Weil die Gesellschaft moralische Vorstellungen hat, was richtig und falsch ist. Wie zum Beispiel, dass es völlig normal ist, für Grundbedürfnisse wie Essen oder Trinken Geld zu bezahlen, für sexuelle Lust aber nicht, obwohl die Befriedigung genauso ein Grundbedürfnis ist. Und diese Moral haben über eine sehr lange Zeit Männer geprägt, die Frauen eingeredet haben, dass es verachtenswert ist, sexuelle Dienstleistungen anzubieten und dafür Geld zu nehmen, es aber dagegen weit weniger schlimm ist, sie in Anspruch zu nehmen. Die Moral von der Geschichte kann sich jeder selbst denken.

Es führt aber dazu, dass man gerade online immer wieder als Sexworkerin angefeindet wird. Dass man seinen Körper verkauf würde, z. B. Dabei kann man mich nicht kaufen, nur eine Dienstleistung. Oder dass man für Geld tut, was Männer verlangen und damit dem Feminismus verrät. Dabei tue ich, was ich will. Und was ich nicht will, das tue ich auch nicht. Mehr Selbstbestimmung geht wohl kaum. Und der Feminismus steht für Selbstbestimmung der Frau. Oder dass ich es fördere, dass Frauen als Sexobjekt wahrgenommen werden, wenn man Geld für sexuelle Dienstleistungen nimmt. Dabei unterstreicht dieses Argument nur, dass gewisse Menschen offenbar nicht in der Lage sind, zwischen einer Dienstleistung und dem Menschen dahinter zu unterscheiden. Oder sie wollen es nicht unterscheiden können. Kein Mensch ist ein Objekt. Das zu sehen zu wollen, ist ein Täterverhalten. Es ist die Entscheidung eines Menschen, jemanden als Objekt zu sehen und nicht durch die Existenz von offener Sexualität zu rechtfertigen. Das ist schlichtweg pure Misogynie. Und ja, ich finde es gut, dass es Sexwork gibt und Menschen dadurch die Möglichkeit haben, sich sexuelle Befriedigung zu holen und ihr Grundbedürfnis zu stillen. Ich glaube, dass ein Mangel, egal an welchem Grundbedürfnis, für keinen Menschen dauerhaft gesund ist. Körperlich oder psychisch. Aber ja, ich finde es genauso vertretbar, dafür Geld zu nehmen, wie es auch andere Menschen für völlig selbstverständlich halten, Geld von jemanden zu nehmen, der Hunger oder Durst hat.

Wie ist es also, von Männern Geld zu nehmen? Im besten Fall finanziell reizvoll und die Aufgabe macht mir Spaß, ohne dass dabei für mich die Hauptintention ist, selbst sexuelle Freude zu fühlen. Schön, wenn es so ist, aber dafür ist in erster Linie die private Lisa zuständig und nicht die Sexworkerin. Sexwork ist Work, das sehe ich ganz klar so. Am Ende ist es ein Geschäft, allerdings ein besonderes, da es mit Intimität zu tun hat und einen emotional und psychisch sehr berühren kann. Damit muss man zurechtkommen können und alleine deswegen ist es schon nicht für jeden etwas. Von der gesellschaftlichen Verachtung mal abgesehen. Doch am Ende des Tages muss es sich lohnen. Ich mache es, weil es mir Spaß macht, aber nicht einfach nur aus Spaß.

Wie denkst du über Sexwork und Sexworker:innen? Könntest du dir so einen Job vorstellen? Kannst du dich reinversetzen, wie es sich anfühlt, sexuelle Dienstleistungen anzubieten und dafür Geld zu nehmen? Schreib mir hier gerne einen Kommentar dazu. 🙂

xoxoxo

Deine Lisa – your secret sexy girl next door

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